Autogas – Unterschätzter Hoffnungsträger der Verkehrswende

Autogas – Unterschätzter Hoffnungsträger der Verkehrswende

Energieversorger Rheingas und Kraftstoffsystemlieferant Prins fordern LPG zur?ck auf die politische Bildfl?che

Zwei gro?e Akteure im deutschen Fl?ssiggas-Markt teilen ihre Ansichten ?ber die Energiewende im Verkehrssektor – und die h?ufig untersch?tzte Rolle, die Fl?ssiggas darin spielen kann. Ein Doppelinterview mit Bart van Aerle, Gesch?ftsf?hrer des Kraftstoffsystemlieferanten Prins Autogassystemen (Teil von Westport Fuel Systems), und Uwe Thomsen, Gesch?ftsf?hrer des Energieversorgers Propan Rheingas.

Klimapolitischer Druck gro? wie nie

2021 ist ein bedeutendes Jahr f?r Umwelt und Industrie gleicherma?en – alle politischen Weichen sind auf Klimaschutz gestellt, die Ziele zur Reduktion von CO2-Emissionen klar gesteckt. Mit dem erst k?rzlich versch?rften deutschen Klimaschutzgesetz – 65 Prozent CO2-Einsparung bis 2030, Klimaneutralit?t bis 2045 – reagiert die Bundesregierung auf das Bundesverfassungsgerichtsurteil vom April 2021 und die neuen, strengeren Vorgaben der Europ?ischen Union (Stichwort: “Fit for 55”). Der politische Druck ist damit so gro? wie nie, und das Unbehagen der Industrie w?chst. Denn nun hei?t es umsetzen, und zwar schnell.
Der verst?rkte Einsatz von (Bio-)LPG (Liquefied Petroleum Gas) in der Mobilit?t k?nnte bereits heute dazu beitragen, nicht nur CO2-, sondern auch Schadstoff- und Feinstaubemissionen sofort zu reduzieren. Ein immer noch weitestgehend untersch?tztes Potential, denn mit einem Aussto? von knapp 166 Millionen Tonnen CO2-?quivalenten bleibt der Verkehrssektor das Sorgenkind der Energiewende. Bei der Emissionsminderung tritt der Mobilit?tssektor seit 1990 nahezu auf der Stelle.

Fl?ssiggas als Sofortl?sung in der Mobilit?t

Obwohl die Fl?ssiggasnutzung ihren Ursprung in Deutschland hat, herrscht in Bezug auf LPG als alternativer Energietr?ger im Verkehrssektor innerhalb der Bev?lkerung und bei vielen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungstr?gern ein hohes Ma? an Unwissenheit. Dies muss sich ?ndern, erkl?rt Thomsen: “Damit Fl?ssiggas sein Potential auf Deutschlands und Europas Stra?en entfalten kann, bedarf es entsprechender politischer Anerkennung und eines angemessenen regulatorischen Rahmens”.
Kommt LPG als Pkw-Kraftstoff zum Einsatz, spricht man von Autogas. Es bietet eine umweltschonende, wirtschaftliche Alternative zu konventionellen Kraftstoffen, durch die eine sofortige Reduktion von CO2- und Schadstoffemissionen erzielt werden kann – durchschnittlich 15 Prozent weniger CO2 und bis zu 99 Prozent weniger Feinstaub gegen?ber Benzinern.

Der ganz klare Vorteil: die bereits vorhandene Logistik und fl?chendeckende Infrastruktur von bundesweit rund 7.000 Tankstellen. Autogas l?sst sich damit an jeder zweiten Tankstelle in Deutschland tanken. Das macht es besonders attraktiv f?r den Einsatz im l?ndlichen Raum, da es sich – im Gegensatz zu Wasserstoff oder der Elektromobilit?t – flexibel auch in abgelegene Regionen transportieren l?sst. Hierin liegt f?r Thomsen das gr??te Potential, auch gegen?ber anderen alternativen Antriebsl?sungen: “Bis zu 90 Prozent von Deutschland sind l?ndlich gepr?gt. Dem eigenen Pkw kommt hier nach wie vor eine zentrale Bedeutung zu – etwa zwei Drittel aller Wege werden mit dem Auto zur?ckgelegt. Durch die fl?chendeckend ausgebaute Infrastruktur kann Autogas hier die L?cke im Nah- und Pendlerverkehr schlie?en, die Elektromobilit?t aufgrund der Reichweiten-Thematik nicht abdecken kann”. Der ausgesprochen preisg?nstige Treibstoff ist dabei besonders f?r preis- und umweltbewusste Autofahrer geeignet und f?r Menschen, die regelm??ig gr??ere Entfernungen zur?cklegen – wie etwa Pendler.

Durch LPG-Fahrzeuge werden in Deutschland aktuell bereits erhebliche Mengen an CO2, Feinstaub sowie Stickstoffoxiden eingespart. Allein die zurzeit rund 350.000 zugelassenen LPG-Fahrzeuge auf deutschen Stra?en ersparen so der Atmosph?re rund 300.000 Tonnen des klimasch?dlichen Gases pro Jahr. Mit LPG im Fahrzeugbestand kann also sofort eine deutliche Schadstoffreduktion zu bezahlbarem Preis erreicht werden.

Potential bestehender Flotten jetzt nutzen

W?rde die Zahl der LPG-Fahrzeuge im Individualverkehr sowie im ?PNV, G?ter- und Landwirtschaftsverkehr ansteigen, lie?en sich weitere CO2- und Schadstoffemissionen im Verkehrssektor einsparen, und sogar Fahrverbote vermeiden.

Neben dem Kauf eines LPG-Neufahrzeugs von Herstellern wie Dacia, Renault und Fiat, die Fahrzeuge mit Autogasausr?stung direkt ab Werk anbieten, stellt hier insbesondere die Umr?stungsm?glichkeit bestehender Flotten einen wirksamen Hebel dar, erl?utert van Aerle: “48 Millionen Pkw fahren derzeit auf Deutschlands Stra?en, davon rund 31 Millionen Benziner. Nur ein kleiner Teil wird davon bis 2030 durch batterieelektrische Fahrzeuge ersetzt werden k?nnen”. Bei einem Pkw-Durchschnittsalter von aktuell 9,8 Jahren liegt hier enormes Potential, da sich diese Fahrzeuge ohne gro?en Aufwand und zu ?berschaubaren Kosten auf den Betrieb mit Autogas umr?sten lassen.
“Als wichtiges Transitland im europ?ischen Ausland sollte Deutschland mit Blick auf die Zulassungszahlen f?r LPG-umger?stete Pkw und Lkw auch einen Vorbildcharakter haben”, betont van Aerle. Rheingas geht hier mit gutem Beispiel voran und hat bereits 90 Prozent der eigenen Pkw-Flotte durch Prins-Autogassysteme umger?stet.

Die Zukunft hei?t “erneuerbar”

Um die Vision eines klimaneutralen Deutschlands und Europas bis 2045 bzw. 2050 Wirklichkeit werden zu lassen, arbeitet die Fl?ssiggasbranche dar?ber hinaus aktiv an der Entwicklung und Etablierung nachhaltiger und erneuerbarer Varianten des fossilen Energietr?gers. Die Beimischung sogenannter “gr?ner” Gase – biogen oder synthetisch – wird aus fossilem LPG langfristig 100 Prozent regeneratives, klimaneutrales Gas machen, das entscheidend zur Dekarbonisierung des Stra?enverkehrs beitr?gt. Erneuerbaren Gasen kommt damit eine Schl?sselrolle in der Energiewende zu.

LPG ist ein ohnehin anfallendes “Abfallprodukt” bei der Gewinnung von ?l und Erdgas – biogenes Fl?ssiggas (BioLPG) bietet dar?ber hinaus den Vorteil, dass es bis zu 100 Prozent aus organischen, nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden kann. Im W?rmesektor ist BioLPG bereits seit drei Jahren im deutschen Markt etabliert und wird auch in absehbarer Zeit f?r den Verkehrsbereich zur Verf?gung stehen.
“Als Branche forschen wir parallel intensiv an einer M?glichkeit zur synthetischen Herstellung von LPG, um klimaneutral zu sein “, bekr?ftigt Thomsen, “zum Beispiel im Rahmen erster Pilotprojekte wie “FutureLiquidGas”. Eine vollsynthetische, aus erneuerbarem Strom erzeugte, klimaneutrale Variante muss in die Erprobung, so dass sich diese ihren Platz im Energiemix der Zukunft erobern kann”. F?r eine erfolgreiche Verkehrswende seien klimaneutrale synthetische Kraftstoffe unverzichtbar.
Der biologische und synthetische Pfad ist jedoch nur m?glich, wenn das konventionelle, fossile Produkt weiter unterst?tzt wird – hier sei es an der Politik, die notwendigen Rahmenbedingungen und Kaufanreize zu schaffen, erkl?rt Thomsen weiter.

Verkehrswende erfordert Technologieoffenheit

“Unsere Vision ist es, durch gemeinschaftliche Brancheninitiativen und strategische Partnerschaften eine gr?nere und saubere Zukunft zu schaffen. Wir haben als Branche alle Voraussetzungen geschaffen, inklusive eines fl?chendeckenden Tankstellennetzes. Nun ist es an der Zeit, dass die Politik dieses Klimapotential endlich anerkennt und nutzt – hier sehe ich gro?en Nachholbedarf”, fordert Thomsen. Die Sorge aufseiten der Industrie ist gro?, dass die Politik die Belange der Unternehmen mit Blick auf Kosten, Wettbewerbsf?higkeit und Planungssicherheit nicht ernst nimmt. Um die Verkehrswende erfolgreich zu bestreiten und die ambitionierten Klimaziele zu erreichen, m?ssen daher alle zukunftsf?higen Technologien und Energiel?sungen ihren Teil zum gr?nen Wandel beitragen.

Prins Autogassystemen und Rheingas verfolgen das Ziel, schnelle, sichere und vor allem bezahlbare L?sungen f?r die Schadstoffproblematik des Verkehrs zu finden. Die EINE Wunderwaffe g?be es dabei laut Van Aerle noch nicht: “Ob der ideale Antrieb der Zukunft in der Mobilit?t schon gefunden ist, m?chte ich mit einem Fragezeichen versehen. Es gibt hier nach meiner Auffassung keinen K?nigsweg und es gilt insbesondere, den ?bergang zu regenerativen Antrieben zu gestalten. Daf?r braucht es Technologieoffenheit und Energietr?ger, die den Transformationsprozess kurz- bis langfristig mitgestalten”. LPG-Antriebe und -Kraftstoffe haben hier einiges zu bieten und sollten daher gleichrangig in die Energiewende des Verkehrssektors eingebunden werden – andernfalls w?rden erhebliche Chancen f?r den Klimaschutz vertan, so Van Aerle weiter. “Was wir ben?tigen, ist ein “Fair Play”, d.h. die rechtliche Gleichstellung mit anderen umweltfreundlichen Alternativen. Verstehen Sie mich nicht falsch: wir denken nicht, dass die Verkehrswende mit Autogas allein zu schaffen ist. Aber wir m?chten und k?nnen Teil der L?sung sein. LPG bietet mehr als nur den ?bergang zum non-fossilen Zeitalter”.

Diese wirtschaftlich sinnvolle und umweltfreundliche Sofortl?sung gilt es anzuerkennen und insbesondere das Potential von nachhaltigem BioLPG st?rker zu nutzen und zu f?rdern. So kann die Energiewende im Verkehr gelingen.
Das vollst?ndige Interview mit Bart van Aerle und Uwe Thomsen k?nnen Sie
https://www.rheingas.de/wissen/ausfuehrliches-doppelinterview-mit-uwe-thomsen-und-bart-von-arle-energieversorger-rheingas-und-kraftstoffsystemlieferant-prins-fordern-lpg-zurueck-auf-die-politische-bildflaeche/ nachlesen.

Keywords:Rheingas Energiewende Fl?ssiggas LPG Autogas Propan Verkehrswende

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