SOS für SMS?

SOS für SMS?

Der Short Messaging Service steht unter Druck von Apps, die weit mehr k?nnen als nur Nachrichten verschicken

Berlin/Boston, 22. Januar 2024 – Die SMS (Short Messaging Service) ist seit 1992 fester Bestandteil der Telekommunikation. Allerdings hat ihre Bedeutung nach Erreichen des H?hepunkts mit 59 Milliarden SMS im Jahr 2012 (1) in Deutschland stetig nachgelassen – auch wenn es von 2020 auf 2021 einen leichten Anstieg (von 7 auf 7,8 Milliarden (2)) gab. Zwei der Funktionen, f?r die SMS nach wie vor unerl?sslich scheinen, sind die Zwei-Faktor-Authentifizierung, zum Beispiel f?r Google, und der Versand von TANs f?r das Online-Banking. Da aber immer mehr Banken den Anwendern die Nutzung von eigenen Apps, ?ber die dann auch TANs versendet werden, zwingend vorschreiben, d?rfte die Relevanz von SMS f?r diesen Zweck weiter nachlassen. Wird also die SMS als Kommunikationsmittel bald g?nzlich verschwinden? Dr. Christian Stredicke, CEO von Vodia Networks, hofft, dass das nicht passieren wird. Und er f?hrt hierf?r gute Gr?nde an.

Obwohl Telefongesellschaften mittlerweile weitgehend auf zus?tzliche Geb?hren f?r den Versand von SMS verzichten, nutzen immer mehr Menschen vor allem Messengerdienste wie WhatsApp f?r Textnachrichten sowie den Austausch von Bildern, Fotos sowie Videos und selbst f?r Telefongespr?che. Marktf?hrer WhatsApp hat nach eigenen Angaben derzeit ?ber 2 Milliarden Nutzer weltweit (3), in Deutschland nutzten 2022 sogar 68 Prozent aller Anwender WhatsApp t?glich (4). In China, wo WhatsApp geblockt ist, benutzen 75,7 % der Bev?lkerung mindestens einmal monatlich WeChat (5).

Alles aus einer Hand
Dabei gehen die Funktionen der Messengerdienste weit ?ber die reine Textnachricht wie bei der SMS hinaus. Dank der gro?en Anzahl an Nutzern macht es f?r die Betreiber Sinn, weitere Dienste anzubieten. So kann man beispielsweise bei WeChat Geld ?berweisen und bei WhatsApp an Diskussionsforen teilnehmen. Und zum Telefonieren eignen sich die Chat-Apps auch. Obwohl Mobilfunkbetreiber kaum noch im Minutentakt abrechnen und stattdessen in der Regel eine Flatrate f?rs Telefonieren anbieten, sind Gespr?che bei den Chat-Anbietern dank gro?z?giger Datenvolumina ebenso kostenlos, und zwar national wie international. Somit erreichen die Chat-Anbieter, dass die Benutzer m?glichst alles aus einer App heraus erledigen – der Wechsel zu einer anderen App ist damit ?berfl?ssig.
Allerdings ist Vorsicht geboten: Denn die Chat-Anbieter sind nicht gerade daf?r bekannt, sich von den Daten ihrer Nutzer fernzuhalten – anders als die hiesigen Telefongesellschaften, die strengen rechtlichen Ma?gaben unterliegen. Benutzer d?rfen nicht vergessen, dass kostenlos nicht bedeutet, dass die App-Anbieter kein Geld verdienen. Bezahlt wird in der Regel auf eine andere Weise, zum Beispiel ?ber das Verkaufen von Daten.

Europa steht nur am Spielfeldrand
Dabei spielt Europa in diesem Gesch?ft praktisch keine Rolle. Die wichtigsten Anbieter kommen aus den USA oder Asien – und deren Profite fallen folglich nicht in Deutschland oder Europa an. Klar sein muss allen, dass die so gewonnenen Daten nicht nur meistbietend online versteigert, sondern auch als Trainingsdaten f?r die k?nstliche Intelligenz verwendet, also kommerziell verwertet werden. “Den meisten Anwendern ist das entweder nicht bewusst oder egal. Warum f?r eine MMS bezahlen, wenn es mit WhatsApp kostenlos und bequemer geht?”, so Dr. Christian Stredicke.
Und er erg?nzt: “Erfreulicherweise gibt es einen nennenswerten Widerstand durch Rich Communication Services (RCS) – was man als n?chste Generation SMS bezeichnen k?nnte. Vor ein paar Monaten gab es eine Ank?ndigung von Apple und Google, RCS besser zu unterst?tzen. Da praktisch der gesamte Verkehr ?ber das Handy l?uft, macht es Sinn, dass sich die beiden zusammentun und den Nutzern eine brauchbare Alternative in die Hand geben. Apple hat immerhin mit iMessage eine echte Alternative zu WhatsApp; und dies k?nnte helfen, nicht alles in den Scho? von Meta und Tencent zu legen.”
Gesch?ftskunden
F?r Unternehmen, die mit ihren Kunden in Kontakt bleiben wollen, stellt sich die Frage, welche Dienste sie daf?r verwenden sollen. In Deutschland gilt die Festnetznummer immer noch als die beste, weil seri?seste gesch?ftliche Option f?r die Kommunikation mit Kunden. L?sungen von Chat-Anbietern haben dagegen hier noch immer ein “Geschm?ckle” und halten Kunden m?glicherweise davon ab, dar?ber mit einem Unternehmen in Kontakt zu treten. Hinzu kommt, dass mit keinem Chat-Anbieter 100 % der eigenen Kundschaft erreicht wird – per SMS allerdings jedes Handy.
Gerade wenn Kunden zun?chst die Festnetznummer anrufen und dann zwischen Text und Sprache wechseln wollen, macht SMS in der Gesch?ftskommunikation Sinn. Technisch spricht nichts dagegen, diese Nummer auch f?r Textnachrichten zu verwenden. Dies setzt voraus, dass sowohl die Telefonanlage als auch der SIP-Anbieter SMS unterst?tzen. “Die Vodia PBX hat SMS seit Jahren eingebaut, vor allem f?r den amerikanischen Markt, wo es keine speziellen Nummern f?r Handys gibt. In DACH wird erwartet, dass einige SIP-Anbieter im Jahr 2024 dies auch m?glich machen und dann Festnetznummern auch ?ber SMS angesimst werden k?nnen,” so Dr. Christian Stredicke.
“Wenn im Internet nach der Adresse einer Firma gesucht wird, werden Kunden hoffentlich bald neben dem Kn?pfchen f?rs Anrufen ein Kn?pfchen f?rs Simsen sehen – und zwar unter der gleichen Nummer. Denn wenn beides unter ein und derselben Nummer l?uft, ist es viel leichter f?r die Benutzer, auf einen Blick zu sehen, mit wem gesprochen und getextet wurde. Kunden k?nnen dann bequem ?ber Text mit Restaurants, ?rzten und anderen Firmen in Kontakt treten, ohne eine spezielle App installieren zu m?ssen. Das Telefonnetz w?rde damit etwas l?nger ?ffentlich bleiben.

(1) https://www.hardwareluxx.de/index.php/news/consumer-electronics/handys/27463-trotz-niedergangs-prognosen-sms-nutzung-nimmt-weiter-zu.html
(2) https://data.bundesnetzagentur.de/Bundesnetzagentur/SharedDocs/Mediathek/Jahresberichte/jb2021.pdf
(3) https://www.whatsapp.com/about
(4) https://www.ard-zdf-onlinestudie.de/files/2022/2210_Koch.pdf, Seite 477
(5) Errechnet nach: https://www.worldometers.info/world-population/china-population/ und https://www.statista.com/statistics/1032630/china-leading-apps-by-monthly-active-users/

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